Zwangsarbeitsorgnisationen in Italien (1943-1945)
Die deutschen Organisationen zum Einsatz von Zwangsarbeitern in Italien im Herbst 1943
Die Besetzung der italienischen Halbinsel am 9.-10. September war eine große Chance um die Macht über Milionen Arbeiter an sich zu reißen. Circa 800.000 Soldaten fielen der Wehrmacht in die Hände.
In Erwartung einer Entscheidung über ihren Einsatz wurden sie in Lager nach Deutschland und Polen verschleppt. Währenddessen regierte die Wehrmacht de facto über die besetzten Gebiete und füllte somit das Machtvakuum, das in den ersten Wochen der Besetzung in Ermangelung einer kollaborationistischen Regierung aus dem Fall des Königreichs Italien entstanden war (Mussolini war bis zum 23. September in Deutschland).
Theoretisch wurde die Zivilgewalt mit einem “Führererlass” des 10. September 1943 dem deutschen Botschafter Rudolph Rahn übertragen. Damit wurde die “Nationale Faschistische Regierung” (wie damals das besetzte Territorium genannt wurde, in dem es jedoch keinerlei reale italienische Regierung gab) vom Reich anerkannt und die Kontrolle über den neuen faschistischen Staat dem deutschen Auswärtigen Amt in der Person des Bevollmächtigten Rahn anvertraut.1 Theoretisch hätte Rahn die Befugnis gehabt Italien über die Präfekten zu regieren, die verpflichtet gewesen wären seine Anweisungen zu befolgen.
Nach wenigen Tagen bildete allerdings auch die Armee ihre Verwaltung. Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Wilhelm Keitel gab den Befehl eine Verwaltung für die gesamten besetzten Gebiete aufzubauen und zwar mittels Platzkommandaturen in der veschiedenen Ortschaften. Auch diese Kommandos sollten mit den bestehenden italienischen Zivilbehörden zusammenarbeiten. Am 14. September wurde General Rudolf Toussaint zum Bevollmächtigten General der Deutschen Wehrmacht ernannt. Toussaint bildete somit ab Oktober eine Reihe Terrirorialkommandos, die Militärkommandanturen, die für die Verwaltung von Gebieten verantwortlich waren, die in etwa den italienischen Provinzen entsprachen. Seine Amtsstelle wurde zur deutschen Kontrollzentrale in Italien und hatte im Wesentlichen die Aufgabe “als Kontrollorgan einer auf verfassungsrechtlicher und internationaler Ebene unabhängigen italienischen Regierung zu wirken.”2
Toussaint hatte jedoch keinerlei Kontrolle über die de facto vom Reich annektierten Gebiete, namentlich die Operationszone Alpenvorland und die Operationszone Adriatisches Küstenland, eine Reihe Provizen die seit dem 11. September unter dem Kommando der Gauleiter Franz Hofer und Friederich Rainer standen. Von diesen “Operationszonen” waren sowohl die italienischen Behörden als auch die deutschen militärischen Behörden ausgeschlossen.
Außerdem wurden ab 10. Oktober 1943 die Provinzen südlich von Rom dem Oberbefehlshaber der Südfront Generalfeldmarschall Albert Kesselring anvertraut, der befugt war Befehle sowohl im Zivil- als auch im Militärbereich zu erlassen.
Zusätzlich zur Wehrmacht und dem Auswärtigen Amt ließen sich auch alle anderen deutschen politischen und wirtschaftlichen Einrichtungen in Italien nieder, wie zum Beispiel der Vertreter Görings d.h. des Vierjahresplans, der Gesandte Speers d.h. des Reichsminister für Bewaffnung und Munition (die Organisation Todt) und der Gesandte Sauckels d.h. des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz. All diese Ämter gerieten in Wettstreit um den Einsatz der Zwangsarbeiter.
Das Überkreuzen von scheinbar gegensätzlichen Befehlen schaffte ein allgemeinenes Chaos. Zudem kam die Verwirrung, die daraus hervorging, dass es in den ersten Wochen der Besetzung eine italienische Regierung und italienische Institutionen fehlten, an die sich die italienischen Bürger mit Gewissheit wenden konnten. Welchen Befehle, welchen Gesetze, welchen Institutionen hatte man Gehorsam zu leisten?
So ließ zum Beispiel am 16. September die Platzkommandantur Mailand auf dem “Corriere della Sera” eine Bekanntmachung in 11 Punkten veröffentlichen: “1) Die Werkstätten in den besetzten Gebieten Norditaliens unterstehen dem deutschen Kriegswirtschaftsgesetz. 2) Sämtliche Industrie- und Handelsbetriebe sind angehalten ihre Tätigkeit unmittelbar wiederaufzunehmen. 3) Sämtliche Betriebe Norditaliens, die mehr als 1.000 Arbeiter beschäftigen, sind angehalten sich bei der vorläufig im Albergo Principe di Savoia in Mailand eingerichteten Handelsabteilung des deutschen Generalkonsulats zu melden, um einen Fragebogen abzuholen. 4) Sämtliche Rohstoffvorräte, Halbfertigwaren, sowie Fertigwaren sind einer umfassenden Bestandsaufnahme zu unterziehen und binnen 10 Tagen nach Entgegennahme des oben genannten Fragebogens, allerspätestens bis zum 30. September 1943, bei der Handelsabteilung des deutschen Generalkonsulats anzumelden. 5) Die oben genannten Betriebe haben anzugeben für wieviele Tage sie noch über Treibstoffreserven verfügen, was ihr täglicher Bedarf und wer ihr gewöhnlicher Lieferant ist. […] 8) Sämtliche Fabrikleiter müssen vom deutschen Generalkonsulat im Amt bestätigt werden. Sie sind persönlich für den Verlauf der ihnen anvertrauten Industriewerke verantwortlich.”3 - ein Befehl des Wehrmachtkommandos, der allerdings vom Generalkonsulat ausgeführt wurde und somit ein typischer Fall der Konfusion zwischen Militär- und Zivilgewalt.
In Fragen des Einsatztes von Zwangsarbeitern hatte allerdings in dieser Anfangsphase die Wehrmacht das Sagen. Im September bestand die deutsche Strategie jedenfalls darin die bei Razzien in der Nähe der Front eingefangenen Männer für den Bau von Befestigungen einzusetzen, um den Vormarsch der Alliierten zu stoppen. Es erwies sich als einfacher Arbeiter dazu zu bringen in der Nähe ihrer Wohnorte zur Arbeit anzutreten, oder zumindest von der Flucht abzuhalten. Schließlich waren diese Zivilisten vor Ort nützlicher als im Reich, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Wehrmacht schon circa 800.000 italienischen Soldaten in Kriegsgefangenschaft genommenen und in Lager nach Deutschland oder Polen deportiert hatte. Während die Wehrmacht bereits massiv in Italien präsent war, brauchten die anderen deutschen Organisationen Zeit, um ihre Vertreter nach Italien zu bringen und ein eigenes Netzwerk vor Ort aufzubauen.
Am 17. September “erließ Keitel einen präzisen Befehl, der die Kommandanten der deutschen Truppen dazu aufforderte eine Jagd auf Arbeiter zu unternehmen und ihnen dabei "die Freiheit gab sämtliche dafür notwendige Maßnahmen zu ergreifen".”4
Diesem Befehl zufolge und in Voraussicht auf eine Räumung Süditaliens aufgrund des alliierten Vormarsches startete der in der Umgebung von Neapel stationierte XIV deutsche Panzerkorps eine Reihe von “Sklavenjagd”-Aktionen, wie sie in der Wehrmacht Terminologie hießen. Zwischen dem 20. und dem 27. September fielen 18.000 Männer deutschen Razzien zum Opfer; sie wurden in provisorische Lager gebracht, um als Zwangsarbeiter eingesetzt zu werden.5
Die Razzien in Neapel gingen bekanntlich nicht sonderlich gut aus. Die extrem brutalen Methoden der Wehmacht führten in der Stadt zu einem allgemeinen Aufstand, der die deutsche Armee zu einem eiligen Rückzug bewegte.
Neapel war nicht die einzige Gegend, in der während der ersten Besetzungszeit solche wilden Razzien durchgeführt wurden.
So ging am 22. September - ebenfalls von Kesselring - der Befehl aus zwischen Neapel und Livorno einen fünf Kilometer breiten Küstenstreifen zu räumen. Die Vertriebenen sollten außerdem dazu genötigt werden dort Befestigungen zu bauen. Am 4. Oktober erließ der XIV Panzerkorps einen Befehl zur Evakuation des Territoriums bis zu 5 Kilometer nördlich der Kriegsfront, stets mit dem Ziel die evakuierten Menschen für den Befestigungsbau zu nützen. Zwischen September und Oktober wurden in ganz Mittelitalien - Lazio, Marche und Abruzzo - solche Befehlen zur Evakuation und Zwangsarbeit erlassen. Bis zum 10. November wurden allein im Hoheitsgebiet des XIV Panzerkorps 35.000 Zivilisten evakuiert.6
Über die extrem gewaltsamen Methoden in der Ausführung dieser Befehle gibt es zahlreiche Berichte der italienischen Behörden. So verhaftete zum Beispiel am 13. Oktober 1943 die in Ariccia stationierte deutsche Einheit eine unbekannte Anzahl Zivilisten und deportierte sie zuerst ins Sammellager bei Bracciano, dann in jenes bei Ostia. Diese Methoden blieben für die gesamte Besetzungszeit unverändert. Am 1. Mai, so der Präfekt von Rom, “begaben sich deutsche Einheiten auf Befehl höherrangiger Offizieren in die Ortschaft Jenne (Provinz Rom), um englische Gefangene zu fassen, die aus dem Lager geflüchtet waren. Binnen einer halben Stunde wurde die gesamte Zivilbevölkerung nahe des Friedhofs zusammengetrieben, wo auch der Kommandant der Abteilung der Nationalrepublikanischen Garde (GNR) und seine Untergebenen vorstellig wurden. Gegen 18 Uhr entließ man die Zivilbevölkerung und sieben Jugendliche der Altersklassen 1922 bis 1925 wurden der G.N.R. Abteilung übergeben, die sie am darauffolgenden Morgen nach Subiaco schickte, wo sie der 107. Bataillon Ingenieurstruppen in Gewahrsam nahm.” 7
Im Herbst 1943 machten die Deutschen einen Versuch die italienischen Behörden zur Kollaboration zu animieren. Am 18. September lud das Oberkommando der Heeresgruppe Süd, vertreteten durch General Rainer Stahel, Oberst Montezemolo vom Kommando Rom Offene Stadt zu einem Treffen vor, in dem es um “die Frage der Arbeiterbataillons” ging.8
Am 20. September gründete das Oberkommando der Heeresgruppe Süd eine eigene Abteilung “zum Einsatz der italienischen Arbeitskraft” im Dienste des Oberst Zimmermann. Diese Abteilung hätte in Zusammenarbeit mit den italienischen Präfekten Arbeitereinheiten zu insgesamt 60.000 Mann schaffen sollen, die, aus Männern der Jahrgänge 1910-1925 bestehend und durch eigene Ausschreibungen von den Präfekten einberufen, den verschiedenen Wehrmachteinheiten zur Verfügung stehen sollten. Diese 60.000 Mann sollten in drei aufeinanderfolgenden Phasen rekrutiert werden. Kesselring in Person drohte bei Befehlsverweigerung der Präfekten Razzien durchzuführen und hohe Geldbußen an die Zivilbevölkerung zu verhängen.9
Am 22. September ließ der Präfekt von Rom Di Suni eine Ausschreibung veröffentlichten, mit der die Bürger der mittelitalienischen Provinzen aus den Jahrgängen 1910-1925 zur obligatorischen Arbeit aufgerufen wurden. Die Vergütung wurde in 8 Lire mit kostenloser Unterkunft und Verpflegung festgesetzt. Zusätzlich zum Arbeitslohn wurde den Familien jeweils 20 Lire für den Unterhalt der Ehegattin, 10 Lire für jeden Elternteil und 5 Lire für jeden Sohn zugesprochen. Jeder Arbeiter hatte mit Decke, Ersatzuntewäsche, Schuhen und Geschirr anzutreten. Verstoß gegen diese Verordnung sollte gemäß Königlichem Dekret des 31. Oktober 1942 n.1611 bestraft werden.
Die Resultate waren sehr spärlich: Am 26. September schrieb Kesselring in Person dem italienischen, damals von einem Kommissar vertretenen Innenministerium und beklagte, dass obwohl die “Befehle” in aller Klarheit ausgesprochen worden waren, “am 25. September die Arbeiter nicht anweisungsgemäß zur Verfügung gestellt wurden”. Demzufolge verlangte Kesselring die Anzahl um 30.000 Einheiten zu erhöhen.10
Das italienische Innenministerium antwortete mit einem langen Bericht, in dem die miserablen Resultate damit erklärt wurden, dass “die Ausschreibung zu früh veröffentlicht wurde und dies, gerade nach den schmerzhaften Erreignissen des 9.-12. Septembers, zur allgemeine Desorientierung führte, welche auf die voreilige Auflösung des italienischen Heeres folgte. Die zahlreichen, von den deutschen Truppen verursachten Vorfälle haben in vielen Örtlichkeiten die Bevölkerung in Schrecken versetzt. Die Beschlagnahmungen aller Art, im Besonderen der Kraftfahrzeuge und des Treibstoffs, selbst bei den Präfekturen, die Unterbrechung von Telegraf, Telefon und Eisenbahn, die an vielen Orten durchgeführe Entwaffnung der Carabinieri und der Polizei, haben diese Desorganisation in den Provinzen ausgelöst. Das hat zu den erheblichen Schwierigkeiten geführt, denen die Präfekten bei der Veröffentlichung und Verbreitung der Ausschreibung, sowie in dessen Ausführung, selbst bei Einsatzt von Zwangsmaßnahmen, begeneten. Die Überzeugung, dass die rekrutierten Arbeiter in Kriegszonen oder nach Deutschland geschickt werden, gar nach Polen oder Russland, hat dazu geführt, dass viele Arbeiter aus den einberufenen Jahrgängen aus ihren Wohnorten geflüchtet sind, zumal dies gleichzeitig mit der Einberufung der Faschistischen Miliz (M.V.S.N.) und dem besser bezahlten Anheuern von Arbeitern für Deutschland geschah. Der vorgesehene Lohn ist deutlich unzulänglich, um die normalen Bedürfnisse zu befriedigen, insbesondere für diejenigen, die eine Familie zu versorgen haben.”11
Die Italiener antworten also den Deutschen mit dem Vorwurf zuerst Chaos zu schaffen und die Bevölkeung zu verängstigen und danach freiwillige Einberufung von eben jenen Behörden zu verlangen, denen sie die Mittel dazu entzogen haben. Als Resultat haben sich, statt den 60.000 angeforderten Arbeitern, nur 3.020 freiwillig gemeldet, weitere 4.157 wurden von den Deutschen eingefangen. Auch in den folgenden Tagen war der Versuch der italienischen Behörden das Ergebnis gewaltsam zu erlangen ein Fiasko. Am 30. September führte das Kommando in Rom einige Razzien in den Gastwirtschaften der Innenstadt, in abfahrenden Zügen und am Meldeamt durch, fing dabei allerdings insgesamt nur 21 Personen.12
Es handelte sich offenbar um Soldaten, die den Wehrmacht Razzien unmittelbar nach der Besetzung entkommen waren, oder um jugendliche Wehrdienstverweigerer. In den darauffolgenden Tagen, zwischen dem 24. September und dem 4. Oktober, wurden 16.000 Mann einberufen; davon wurden 11.325 - weil für die Kriegsproduktion unabdingbar - sofort an die Italiener zurückgegeben, 3.577 aus Gesundheitsgründen freigestellt und 936 tatsächlich eingesetzt.13 Bei einem so demütigenden Scheitern beschlossen die deutschen Streitkräfte hart durchzugreifen und in Rom kam es zu einigen wahllosen Razzien (27. Oktober 1943), die zu vermehrtem Misstrauen in der Bevölkerung gegegenüber den Deutschen und ihrer “Arbeitskameradschaft” führten.
Der Verantwortliche der Verwaltung des Kommandos Südfront Oberst Seifahrt schlug daraufhin in einem Schreiben des 19. November an das italienische Inneministerium vor, den arbeitsverweigernden Jugendlichen die Lebensmittelmarken zu entziehen. Am 21. November begab sich der General Francesco Paladino, der in der Zwischenzeit das Ispettorato Generale del Lavoro gegründet hatte, von dem später die Rede sein wird, nach Gargnano, um Mussolini in Person zu treffen. Mit ihm reiste ein nicht namentlich genannter “in Zwangsarbeit sachkundiger deutscher General”, vielleicht Oberst Seifert selbst. Höchstwahrscheinlich wollte Mussolini mehr über die Arbeit des Ispettorato und dessen Beziehungen zu den deutschen Organisationen in Erfahrung bringen. Bei diesem Treffen wurde die Idee erörtert denjenigen, die weder beim Ispettorato noch bei der Organisation Todt vorstellig wurden, die Lebensmittelmarken zu entziehen. Mussolini nahm die Idee mit Begeisterung auf. “Der Vertreter des Ispettorato per il Lavoro stellt fest, dass die Einberufung der Arbeiter seitens der Behörde nicht die erwünschten Resultate erbringt. Hieraus entsteht die Notwendigkeit sobald wie möglich die im vorhergenden Treffen besprochenen Maßnahmen zu ergreifen und zwar nur denjenigen, die arbeiten, die derzeit vorgesehen Zuschläge zuzusprechen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird man dann ebenfalls ihren Familien die Zuschläge gewähren und denjenigen, die nicht arbeiten und ihren Angehörigen die Lebensmittelmarken entziehen. Er weist darauf hin, dass der DUCE, dem die Angelegenheit am vergangenen 21. November unterbreitet wurde, seine volle Zustimmung gegeben hat und hinzufügte, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der Nation nur zwei Kategorien Italiener geben darf, die in grau-grünen Uniformen und die Arbeiter.”14
Am 29. November fand ein weiteres Treffen in der deutschen Botschaft in Rom statt. Anwesend für die Deutschen: der neue Stadtkommandant Kurt Mälzer, Oberst Seifarth, der Konsul Eitel Möllhausen. Auf italienischer Seite: Präfekt Coriolano Pagnozzi, Tullio Tamburini (Polizeichef), Oberst Bocca (Generalsäkretär der Armee), der Präfekt von Rom Vittorio Rolandi Ricci und ein Oberst in Vertretung des Generals Francesco Paladino. Die Italiener mußten einen Wutausbruch von Möllhausen hinnehmen, in dem es hieß, dass während die deutschen Soldaten kämpfen die “italienische Jugend buchstäblich nichts tut.” Rolandi Ricci schlug daraufhin vor, den nicht zur Arbeit antretenden Arbeitern und deren Angehörigen die Lebensmittelmarken zu entziehen. Möllhausen nahm den Vorschlag an und am 1. Dezember fand in der Präfektur ein weiteres, diesmal auf die italienischen Behörden beschränktes Treffen statt, in dem beschlossen wurde das Experiment durchzuführen die Lebensmittelmarken nur den Bürgern Roms zu entziehen. Am 9. Dezember wurde für alle “arbeitsfähigen” Römer die Arbeitspflicht ausgerufen, auf Verstoß stand der Entzug der Lebensmittelmarken. Bis Weihnachten wurde ein neues Register der Arbeiter aufgesetzt und eine neue Bevölkerungszählung in Angriff genommen, die binnen 31. Dezember durchgeführt werden sollte.15 Diese Bevölkerungszählung verlief bekanntlich nicht erfolgreich.
Zusätzlich zur Wehrmacht versuchte auch Fritz Sauckels Organisation italienische Arbeiter zu gewinnen, allerding mit dem Ziel sie dann nach Deutschland zu schicken. Zwischen Ende September und Anfang Oktober begann insbesondere in Rom eine Propagandakampagne für den freiwilligen Einzug, in der sich Kesselring an die “italienischen Arbeiter” wandte: “In diesen letzten Tagen haben sich viele italienische Arbeiter, die ihren Urlaub in Italien verbrachten, bei den italienischen Behörden gemeldet und erbeten zu ihren alten Arbeitsplätzen in Deutschland zurückzukehren. Bei dieser Gelegenheit haben sie ihren Wunsch Ausdruck verliehen, zu einem ordentlichen Leben zurückzufinden. Sie wissen, dass sie in der wahrhaft sozialistischen Nation Deutschland, die derzeit einen gigantischen Kampf für ein neues Europa führt, eine gerechte Behandlung, sowie Versorgung und einen gerechten Lohn bekommen haben, der ihnen und ihren Familien gute Lebensbedingungen sicherte. All diese Arbeiter können nun, wie es ihr Wunsch ist, nach Deutschland zurückkehren. Außerdem können auch diejenigen Industrie- und Landwirtschaftsarbeiter, die noch nicht in Deutschland gearbeitet haben, vorsperchen, um Arbeit in Deutschland anzufragen. Sie werden gleich der hunderttausend Italiener, die jenseits der Alpen Arbeit und Brot gefunden haben, mit jenem Geist nationalsozialistischer Gerechtigkeit, der das neue Deutschland auszeichnet, aufgenommen werden. Sie werden mit ihren deutschen Kameraden und mit den Millionen von freien Arbeitern aller Länder unseres Kontinents jene Gemeinschaft erleben, die eines Tages das Fundament eines neuen Europas der Arbeiter und Bauern sein wird. Italienische Arbeiter, tretet - wie es schon hunderttausende Italiener vor Euch getan haben - zur freien Arbeit in Deutschland an! Meldet Euch bei den Einberufungsbehörden in Via Tasso Nr. 15! Dort werdet Ihr eine Einreiseerlaubnis nach Deutschland erhalten, die gleichzeitig Recht auf kostenlose Benutzung der Eisenbahn gibt. Weder ein italienischer Pass noch ein Ausreisevisum sind erforderlich. Ihr geht als freie Arbeiter nach Deutschland und als freie Arbeiter werdet ihr in Eure Heimat zurückkehren.”16
Im Herbst 1943 war die Lage, wie man sieht, außerordentlich wirr. In Rom zum Beispiel befand sich die Einberufungsabteilung der Organisation Todt, jene der Sauckel und die der italienischen Organizzazione Paladino in einem einzigen Gebäude auf Piazza dell’Esquilino. Die dort einberufenen Arbeitslosen wurden gefragt, ob sie nach Deutschland gehen wollten. Bei Annahme wurden sie in Sauckels Abteilung geschickt, bei Verweigerung in jene der Organisation Todt oder jene der Paladino.17
Der Versuch die Arbeiter zu überzeugen sich freiwillig zu melden erwies sich als ein eher eklatantes Fiasko. In Rom meldeten sich in zwölf Tagen nur 1.000 Personen von 100.000 Arbetslose, die laut der Faschistischen Partei in der Hauptstadt lebten und somit theoretisch verfügbar waren.
Diese Politik konnte klarerweise nicht erfolgreich sein. Obwohl einige Wehrmacht Offiziere weiter Razzien zur Rekrutierung von Zwangsarbeitern für den Festigungsbau durchführten, wurde der Heeresführung recht bald klar, dass es die Überreste des italienischen Verwaltungsapparats und die Einrichtungen der entstehenden Sozialrepublik zu nützen galt, um die für die Kriegsführung notwendige Arbeitskraft aufzutreiben. Am 1. Oktober 1943 traf sich der Generalbevollmächtigte Rahn mit Rommel und Toussaint am Gardasee. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen die RSI Regierung zur Verwaltung zivilrechtlicher Angelegenheiten einzusetzten.18 Die Rekrutierung von Arbeitern, auch von Zwangsarbeitern, sollte demnach ordnungsgemäß von der entstehenden Italienischen Sozialrepublik durchgeführt werden, um die italienischen Arbeiter zu beruhigen.
Gleichzeitig wurde sich allerdings auch die faschistische Führung darüber im Klaren, dass die wahllosen Razzien sowie die Zwangsarbeit und Deportation jenseits der Alpen dem Ansehen des Faschismus und der Sozialrepublik einen Todesstoß versetzten. Keiner hätte einem Staat Vertrauen geschenkt, dem es nicht gelang den eigenen Bürgern ein Mindestmaß an Sicherheit zu garantieren.
Amedeo Osti Guerrazzi (2016)
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.51-53
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.62
“Corriere della Sera”, 16. September 1943
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.131
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.132
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.136
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.35
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.138-139
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
Archivio Centrale dello Stato, Segreteria particolare del Capo della Polizia RSI, B.27
“Il Messaggero”, 21. September1943
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997, S.146
Lutz Klinkhammer, L’occupazione tedesca in Italia, Bollati Boringhieri, Turin, 1997 S.142
Die Arbeitserziehungslager (AEL) wurden von der Gestapo ab 1940 mit dem Ziel eingerichtet, Personen “umzuerziehen”, die der Industriesabotage angeklagt, oder aus irgend einem anderen Grund für “arbeitsunwillig” gehalten wurden. In der Tat waren diese Lager auch ein Mittel zur Ausbeutung der Zwangsarbeit. Man hat ausgerechnet, dass in Italien und in den Besetzungsgebieten circa 200 Arbeitserziehungslager in Funktion gewesen sind und dass dort circa 500-tausend Personen gefangen waren.
Während des Zweiten Weltkrieges bildeten die Deutschen Einheiten Kriegsgefangener, genannt Bau-und Arbeitsbatallion (abgekürzt B.A.B.).
Die B.A.B. bestanden durchschnittlich aus 600 Arbeitsgefangenen. Die Besonderheit dieser Einheiten lag in ihrer Mobilität: Im Gegensatz zu den StaLag Gefangenen waren sie nicht einem spezifischen Ort bestimmt, sondern wurden je nach Bedarf versetzt.
Die Arbeitskommandos waren Arbeitslager für Kriegsgefangene der Deutschen. In der Regel bestanden sie aus einigen hundert Gefangenen und befanden sich nahe der Arbeitsstätten (Fabriken, Minen, Landwirtschaft). Die Verwaltung war einem StaLag (Kriegsgefangenenlager) anvertraut. Von einem StaLag konnten bis zu mehrere Hundert Arbeitskommandos abhängen. Die Arbeitskommandos für allieerte Kriegsgefangene wurden regelmäßig von Vertretern des Roten Kreuzes besucht.
Die I.G. (Interessen-Gemeinschaft) Farben wurde 1925 durch die Zusammenlegung verschiedener deutscher Industrien gegründet. Während des Zweiten Weltkrieges war sie der führende Chemie Konzern NS-Deutschlands. Die I.G. Farben ist unter den Betrieben gewesen, die am meisten auf Zwangsarbeit zurückgegriffen haben, insbesondere beim Bau der Anlagen in Auschwitz. Die Führungskräfte der I.G. Farben waren unter den Angeklagten des Nürnberger Prozesses 1947/48. Zu Kriegsende beschlossen die Alliierten den Konzern zu zerstückeln, indem sie die Firmen, aus denen er ursprünglich bestand, neu gründeten.
Das Ispettorato Militare del Lavoro war eine militärische Behörde zur Arbeitsaufsicht, die 1943 mit dem Zweck gegründet worden ist, Arbeiter für den Bau von Abwehreinrichtungen zum Schutze der Italienischen Sozialrepubblik (RSI) zu rekrutieren und die Schäden der Luftangriffe zu reparieren. Auch nach dem Namen des Begründers und Kommandanten “Organizzazione Paladino” bekannt, erfasste das Ispettorato Militare del Lavoro einige zentausend Männer und arbeitete eng mit den Deutschen zusammen, bisweilen direkt in ihrem im Dienst.
Die Organisation Todt wurde Ende der 30-er Jahre in Deutschland zur Einordnung der Arbeitskraft für den Bau militärischer Einrichtungen geschaffen. Bis zu seinem Tod (1942) vom Begründer Fritz Todt geleitet, wurde die Organisation während des Krieges zur
Ausbeutung der Zwangsarbeit in den von den Deutschen besetzten Gebeieten eingesetzt. In Italien spielte die Organisation Todt eine grundlegende Rolle in der Erbauung der am Appennin entlang führenden Verteidigungslinien und setzte dazu zentausende Männer ein.
Francesco Paladino wurde 1890 in Scilla bei Reggio Calabria geboren und meldete sich 1907 freiwillig bei den Telegrafistentruppen. 1908 zum Unteroffizier ernannt, nahm er mit diesem Dienstgrad am Tripoliskrieg teil. 1914 wurde er zum Leutnant befördert und während des Ersten Weltrkrieges zum Hauptmann. Er blieb in der Armee und wurde 1932 Oberleutnant. 1936 nahm er am Abessinienkrieg teil, im Laufe dessen er zum Oberst ernannt wurde.
Im Rahmen des Zweiten Weltkrieges kämpfte Paladino auf der Griechisch-Italienischen Front. Bei der Rückkehr wurde er dem Bozener Korps zugeteilt. 1942 zum Brigadengeneral befördert, trat er nach dem Waffenstillstand der Italienischen Sozialrepublik (RSI) bei, für die er das Ispettorato Militare del Lavoro schuf.
1945 trat Paladino in den Ruhestand, 1970 verlieh man ihm den Ehrengrad des Divisionsgenerals.
Francesco Paladino starb 1974.
Fritz Sauckel, geboren 1894, war ein NSDAP-Gauleiter. 1942 wurde er zum Generalbevollmächtigten der Zwangsarbeit in allen deutschen Besetzungsgebieten ernannt. De facto war er also für die Rekrutierung und den Einsatz der Zwangsarbeiter verantwortlich. In Italien versuchte seine Organisation mit spärlichen Erfolg hunderttausende Menschen ins Reich abzuschleppen. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt, das Todesurteil wurde 1946 vollzogen.
Albert Speer, geboren 1905, war ein Architekt, der eine hervorragende persönliche Beziehung zu Hitler hatte. Er war zwar kein glühender Nazi, dennoch war er der Schöpfer der Parteiparaden und genoss dadurch die Achtung und das Vertrauen des Führers. Nach Fritz Todts Tod, wurde er 1942 zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition ernannt, der die Organisation Todt unterstand. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt und zu zwanzig Jahre Haft verurteilt. Er ist 1981 in London gestorben.
Deutsches Kriegsgefangenenlager. Die Lebesbedingungen in den StaLag waren je nach Nationalität der Gefangenen (Alliierte, Sowjetbürger, italienische Militärinternierte usw.) sehr unterschiedlich.
Fritz Todt war ein deutscher Ingenieur, der in den 30-er Jahren für die Erbauung des von Hitler gewollten Autobahnsystems verantwortlich war. Am Ende der 30-er gründete er die Organisation Todt mit der Zielsetzung, Zwangsarbeitskraft für den Bau der Verteidigungslinien entlang der Grenze mit Frankreich zu liefern. Während des Krieges leitete seine Organisation den Einsatz der Zwangsarbeit in den Besetzungsgebieten. Er starb 1942 in einem Flugunfall.
Die Gemeinschaftslager sowie die Wohnlager waren unbeaufsichtigte Lager für ausländische Arbeiter, während die Arbeitslager unter Aufsicht standen. Zumeist wird nur für letztere der Begriff der Zwangsarbeit verwendet, aber izwischen neigen die Historiker dazu das Bedeutungsfeld entschiedenen zu revidieren und den Begriff auf Arbeitsverhältinsse, die nur förmlich freiwillig aber de facto Zwangarbeit waren, zu erweitern. Die gegenwärtige Historikerdebatte geht in die Richtung den Begriff der Zwangarbeit durch folgende drei Merkmale zu definieren:
- Die rechtliche Unmöglichkeit für den Arbeiter das Arbeitsverhältnis zu beenden
- Die begrenzten Möglichkeiten Einfluss auf die eigenen Arbeitsbedingungen zu nehmen
- Eine hohe Sterberate als Hinweis auf eine überdurschnittliche Arbeitslast gleichzeitiger Unterernährung.
Siehe [https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/geschichte/auslaendisch/begriffe/index.html]
Die Arbeitserziehungslager (AEL) wurden von der Gestapo ab 1940 mit dem Ziel eingerichtet, Personen “umzuerziehen”, die der Industriesabotage angeklagt, oder aus irgend einem anderen Grund für “arbeitsunwillig” gehalten wurden. In der Tat waren diese Lager auch ein Mittel zur Ausbeutung der Zwangsarbeit. Man hat ausgerechnet, dass in Italien und in den Besetzungsgebieten circa 200 Arbeitserziehungslager in Funktion gewesen sind und dass dort circa 500-tausend Personen gefangen waren.
Während des Zweiten Weltkrieges bildeten die Deutschen Einheiten Kriegsgefangener, genannt Bau-und Arbeitsbatallion (abgekürzt B.A.B.).
Die B.A.B. bestanden durchschnittlich aus 600 Arbeitsgefangenen. Die Besonderheit dieser Einheiten lag in ihrer Mobilität: Im Gegensatz zu den StaLag Gefangenen waren sie nicht einem spezifischen Ort bestimmt, sondern wurden je nach Bedarf versetzt.
Die Arbeitskommandos waren Arbeitslager für Kriegsgefangene der Deutschen. In der Regel bestanden sie aus einigen hundert Gefangenen und befanden sich nahe der Arbeitsstätten (Fabriken, Minen, Landwirtschaft). Die Verwaltung war einem StaLag (Kriegsgefangenenlager) anvertraut. Von einem StaLag konnten bis zu mehrere Hundert Arbeitskommandos abhängen. Die Arbeitskommandos für allieerte Kriegsgefangene wurden regelmäßig von Vertretern des Roten Kreuzes besucht.
Die I.G. (Interessen-Gemeinschaft) Farben wurde 1925 durch die Zusammenlegung verschiedener deutscher Industrien gegründet. Während des Zweiten Weltkrieges war sie der führende Chemie Konzern NS-Deutschlands. Die I.G. Farben ist unter den Betrieben gewesen, die am meisten auf Zwangsarbeit zurückgegriffen haben, insbesondere beim Bau der Anlagen in Auschwitz. Die Führungskräfte der I.G. Farben waren unter den Angeklagten des Nürnberger Prozesses 1947/48. Zu Kriegsende beschlossen die Alliierten den Konzern zu zerstückeln, indem sie die Firmen, aus denen er ursprünglich bestand, neu gründeten.
Das Ispettorato Militare del Lavoro war eine militärische Behörde zur Arbeitsaufsicht, die 1943 mit dem Zweck gegründet worden ist, Arbeiter für den Bau von Abwehreinrichtungen zum Schutze der Italienischen Sozialrepubblik (RSI) zu rekrutieren und die Schäden der Luftangriffe zu reparieren. Auch nach dem Namen des Begründers und Kommandanten “Organizzazione Paladino” bekannt, erfasste das Ispettorato Militare del Lavoro einige zentausend Männer und arbeitete eng mit den Deutschen zusammen, bisweilen direkt in ihrem im Dienst.
Die Organisation Todt wurde Ende der 30-er Jahre in Deutschland zur Einordnung der Arbeitskraft für den Bau militärischer Einrichtungen geschaffen. Bis zu seinem Tod (1942) vom Begründer Fritz Todt geleitet, wurde die Organisation während des Krieges zur
Ausbeutung der Zwangsarbeit in den von den Deutschen besetzten Gebeieten eingesetzt. In Italien spielte die Organisation Todt eine grundlegende Rolle in der Erbauung der am Appennin entlang führenden Verteidigungslinien und setzte dazu zentausende Männer ein.
Francesco Paladino wurde 1890 in Scilla bei Reggio Calabria geboren und meldete sich 1907 freiwillig bei den Telegrafistentruppen. 1908 zum Unteroffizier ernannt, nahm er mit diesem Dienstgrad am Tripoliskrieg teil. 1914 wurde er zum Leutnant befördert und während des Ersten Weltrkrieges zum Hauptmann. Er blieb in der Armee und wurde 1932 Oberleutnant. 1936 nahm er am Abessinienkrieg teil, im Laufe dessen er zum Oberst ernannt wurde.
Im Rahmen des Zweiten Weltkrieges kämpfte Paladino auf der Griechisch-Italienischen Front. Bei der Rückkehr wurde er dem Bozener Korps zugeteilt. 1942 zum Brigadengeneral befördert, trat er nach dem Waffenstillstand der Italienischen Sozialrepublik (RSI) bei, für die er das Ispettorato Militare del Lavoro schuf.
1945 trat Paladino in den Ruhestand, 1970 verlieh man ihm den Ehrengrad des Divisionsgenerals.
Francesco Paladino starb 1974.
Fritz Sauckel, geboren 1894, war ein NSDAP-Gauleiter. 1942 wurde er zum Generalbevollmächtigten der Zwangsarbeit in allen deutschen Besetzungsgebieten ernannt. De facto war er also für die Rekrutierung und den Einsatz der Zwangsarbeiter verantwortlich. In Italien versuchte seine Organisation mit spärlichen Erfolg hunderttausende Menschen ins Reich abzuschleppen. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt, das Todesurteil wurde 1946 vollzogen.
Albert Speer, geboren 1905, war ein Architekt, der eine hervorragende persönliche Beziehung zu Hitler hatte. Er war zwar kein glühender Nazi, dennoch war er der Schöpfer der Parteiparaden und genoss dadurch die Achtung und das Vertrauen des Führers. Nach Fritz Todts Tod, wurde er 1942 zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition ernannt, der die Organisation Todt unterstand. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt und zu zwanzig Jahre Haft verurteilt. Er ist 1981 in London gestorben.
Deutsches Kriegsgefangenenlager. Die Lebesbedingungen in den StaLag waren je nach Nationalität der Gefangenen (Alliierte, Sowjetbürger, italienische Militärinternierte usw.) sehr unterschiedlich.
Fritz Todt war ein deutscher Ingenieur, der in den 30-er Jahren für die Erbauung des von Hitler gewollten Autobahnsystems verantwortlich war. Am Ende der 30-er gründete er die Organisation Todt mit der Zielsetzung, Zwangsarbeitskraft für den Bau der Verteidigungslinien entlang der Grenze mit Frankreich zu liefern. Während des Krieges leitete seine Organisation den Einsatz der Zwangsarbeit in den Besetzungsgebieten. Er starb 1942 in einem Flugunfall.
Die Gemeinschaftslager sowie die Wohnlager waren unbeaufsichtigte Lager für ausländische Arbeiter, während die Arbeitslager unter Aufsicht standen. Zumeist wird nur für letztere der Begriff der Zwangsarbeit verwendet, aber izwischen neigen die Historiker dazu das Bedeutungsfeld entschiedenen zu revidieren und den Begriff auf Arbeitsverhältinsse, die nur förmlich freiwillig aber de facto Zwangarbeit waren, zu erweitern. Die gegenwärtige Historikerdebatte geht in die Richtung den Begriff der Zwangarbeit durch folgende drei Merkmale zu definieren:
- Die rechtliche Unmöglichkeit für den Arbeiter das Arbeitsverhältnis zu beenden
- Die begrenzten Möglichkeiten Einfluss auf die eigenen Arbeitsbedingungen zu nehmen
- Eine hohe Sterberate als Hinweis auf eine überdurschnittliche Arbeitslast gleichzeitiger Unterernährung.
Siehe [https://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/geschichte/auslaendisch/begriffe/index.html]
Die Arbeitserziehungslager (AEL) wurden von der Gestapo ab 1940 mit dem Ziel eingerichtet, Personen “umzuerziehen”, die der Industriesabotage angeklagt, oder aus irgend einem anderen Grund für “arbeitsunwillig” gehalten wurden. In der Tat waren diese Lager auch ein Mittel zur Ausbeutung der Zwangsarbeit. Man hat ausgerechnet, dass in Italien und in den Besetzungsgebieten circa 200 Arbeitserziehungslager in Funktion gewesen sind und dass dort circa 500-tausend Personen gefangen waren.
Während des Zweiten Weltkrieges bildeten die Deutschen Einheiten Kriegsgefangener, genannt Bau-und Arbeitsbatallion (abgekürzt B.A.B.).
Die B.A.B. bestanden durchschnittlich aus 600 Arbeitsgefangenen. Die Besonderheit dieser Einheiten lag in ihrer Mobilität: Im Gegensatz zu den StaLag Gefangenen waren sie nicht einem spezifischen Ort bestimmt, sondern wurden je nach Bedarf versetzt.
Die Arbeitskommandos waren Arbeitslager für Kriegsgefangene der Deutschen. In der Regel bestanden sie aus einigen hundert Gefangenen und befanden sich nahe der Arbeitsstätten (Fabriken, Minen, Landwirtschaft). Die Verwaltung war einem StaLag (Kriegsgefangenenlager) anvertraut. Von einem StaLag konnten bis zu mehrere Hundert Arbeitskommandos abhängen. Die Arbeitskommandos für allieerte Kriegsgefangene wurden regelmäßig von Vertretern des Roten Kreuzes besucht.
Die I.G. (Interessen-Gemeinschaft) Farben wurde 1925 durch die Zusammenlegung verschiedener deutscher Industrien gegründet. Während des Zweiten Weltkrieges war sie der führende Chemie Konzern NS-Deutschlands. Die I.G. Farben ist unter den Betrieben gewesen, die am meisten auf Zwangsarbeit zurückgegriffen haben, insbesondere beim Bau der Anlagen in Auschwitz. Die Führungskräfte der I.G. Farben waren unter den Angeklagten des Nürnberger Prozesses 1947/48. Zu Kriegsende beschlossen die Alliierten den Konzern zu zerstückeln, indem sie die Firmen, aus denen er ursprünglich bestand, neu gründeten.
Das Ispettorato Militare del Lavoro war eine militärische Behörde zur Arbeitsaufsicht, die 1943 mit dem Zweck gegründet worden ist, Arbeiter für den Bau von Abwehreinrichtungen zum Schutze der Italienischen Sozialrepubblik (RSI) zu rekrutieren und die Schäden der Luftangriffe zu reparieren. Auch nach dem Namen des Begründers und Kommandanten “Organizzazione Paladino” bekannt, erfasste das Ispettorato Militare del Lavoro einige zentausend Männer und arbeitete eng mit den Deutschen zusammen, bisweilen direkt in ihrem im Dienst.
Die Organisation Todt wurde Ende der 30-er Jahre in Deutschland zur Einordnung der Arbeitskraft für den Bau militärischer Einrichtungen geschaffen. Bis zu seinem Tod (1942) vom Begründer Fritz Todt geleitet, wurde die Organisation während des Krieges zur
Ausbeutung der Zwangsarbeit in den von den Deutschen besetzten Gebeieten eingesetzt. In Italien spielte die Organisation Todt eine grundlegende Rolle in der Erbauung der am Appennin entlang führenden Verteidigungslinien und setzte dazu zentausende Männer ein.
Francesco Paladino wurde 1890 in Scilla bei Reggio Calabria geboren und meldete sich 1907 freiwillig bei den Telegrafistentruppen. 1908 zum Unteroffizier ernannt, nahm er mit diesem Dienstgrad am Tripoliskrieg teil. 1914 wurde er zum Leutnant befördert und während des Ersten Weltrkrieges zum Hauptmann. Er blieb in der Armee und wurde 1932 Oberleutnant. 1936 nahm er am Abessinienkrieg teil, im Laufe dessen er zum Oberst ernannt wurde.
Im Rahmen des Zweiten Weltkrieges kämpfte Paladino auf der Griechisch-Italienischen Front. Bei der Rückkehr wurde er dem Bozener Korps zugeteilt. 1942 zum Brigadengeneral befördert, trat er nach dem Waffenstillstand der Italienischen Sozialrepublik (RSI) bei, für die er das Ispettorato Militare del Lavoro schuf.
1945 trat Paladino in den Ruhestand, 1970 verlieh man ihm den Ehrengrad des Divisionsgenerals.
Francesco Paladino starb 1974.
Fritz Sauckel, geboren 1894, war ein NSDAP-Gauleiter. 1942 wurde er zum Generalbevollmächtigten der Zwangsarbeit in allen deutschen Besetzungsgebieten ernannt. De facto war er also für die Rekrutierung und den Einsatz der Zwangsarbeiter verantwortlich. In Italien versuchte seine Organisation mit spärlichen Erfolg hunderttausende Menschen ins Reich abzuschleppen. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt, das Todesurteil wurde 1946 vollzogen.
Albert Speer, geboren 1905, war ein Architekt, der eine hervorragende persönliche Beziehung zu Hitler hatte. Er war zwar kein glühender Nazi, dennoch war er der Schöpfer der Parteiparaden und genoss dadurch die Achtung und das Vertrauen des Führers. Nach Fritz Todts Tod, wurde er 1942 zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition ernannt, der die Organisation Todt unterstand. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt und zu zwanzig Jahre Haft verurteilt. Er ist 1981 in London gestorben.
Fritz Todt war ein deutscher Ingenieur, der in den 30-er Jahren für die Erbauung des von Hitler gewollten Autobahnsystems verantwortlich war. Am Ende der 30-er gründete er die Organisation Todt mit der Zielsetzung, Zwangsarbeitskraft für den Bau der Verteidigungslinien entlang der Grenze mit Frankreich zu liefern. Während des Krieges leitete seine Organisation den Einsatz der Zwangsarbeit in den Besetzungsgebieten. Er starb 1942 in einem Flugunfall.
Die Arbeitserziehungslager (AEL) wurden von der Gestapo ab 1940 mit dem Ziel eingerichtet, Personen “umzuerziehen”, die der Industriesabotage angeklagt, oder aus irgend einem anderen Grund für “arbeitsunwillig” gehalten wurden. In der Tat waren diese Lager auch ein Mittel zur Ausbeutung der Zwangsarbeit. Man hat ausgerechnet, dass in Italien und in den Besetzungsgebieten circa 200 Arbeitserziehungslager in Funktion gewesen sind und dass dort circa 500-tausend Personen gefangen waren.
Während des Zweiten Weltkrieges bildeten die Deutschen Einheiten Kriegsgefangener, genannt Bau-und Arbeitsbatallion (abgekürzt B.A.B.).
Die B.A.B. bestanden durchschnittlich aus 600 Arbeitsgefangenen. Die Besonderheit dieser Einheiten lag in ihrer Mobilität: Im Gegensatz zu den StaLag Gefangenen waren sie nicht einem spezifischen Ort bestimmt, sondern wurden je nach Bedarf versetzt.
Die Arbeitskommandos waren Arbeitslager für Kriegsgefangene der Deutschen. In der Regel bestanden sie aus einigen hundert Gefangenen und befanden sich nahe der Arbeitsstätten (Fabriken, Minen, Landwirtschaft). Die Verwaltung war einem StaLag (Kriegsgefangenenlager) anvertraut. Von einem StaLag konnten bis zu mehrere Hundert Arbeitskommandos abhängen. Die Arbeitskommandos für allieerte Kriegsgefangene wurden regelmäßig von Vertretern des Roten Kreuzes besucht.
Die I.G. (Interessen-Gemeinschaft) Farben wurde 1925 durch die Zusammenlegung verschiedener deutscher Industrien gegründet. Während des Zweiten Weltkrieges war sie der führende Chemie Konzern NS-Deutschlands. Die I.G. Farben ist unter den Betrieben gewesen, die am meisten auf Zwangsarbeit zurückgegriffen haben, insbesondere beim Bau der Anlagen in Auschwitz. Die Führungskräfte der I.G. Farben waren unter den Angeklagten des Nürnberger Prozesses 1947/48. Zu Kriegsende beschlossen die Alliierten den Konzern zu zerstückeln, indem sie die Firmen, aus denen er ursprünglich bestand, neu gründeten.
Das Ispettorato Militare del Lavoro war eine militärische Behörde zur Arbeitsaufsicht, die 1943 mit dem Zweck gegründet worden ist, Arbeiter für den Bau von Abwehreinrichtungen zum Schutze der Italienischen Sozialrepubblik (RSI) zu rekrutieren und die Schäden der Luftangriffe zu reparieren. Auch nach dem Namen des Begründers und Kommandanten “Organizzazione Paladino” bekannt, erfasste das Ispettorato Militare del Lavoro einige zentausend Männer und arbeitete eng mit den Deutschen zusammen, bisweilen direkt in ihrem im Dienst.
Die Organisation Todt wurde Ende der 30-er Jahre in Deutschland zur Einordnung der Arbeitskraft für den Bau militärischer Einrichtungen geschaffen. Bis zu seinem Tod (1942) vom Begründer Fritz Todt geleitet, wurde die Organisation während des Krieges zur
Ausbeutung der Zwangsarbeit in den von den Deutschen besetzten Gebeieten eingesetzt. In Italien spielte die Organisation Todt eine grundlegende Rolle in der Erbauung der am Appennin entlang führenden Verteidigungslinien und setzte dazu zentausende Männer ein.
Francesco Paladino wurde 1890 in Scilla bei Reggio Calabria geboren und meldete sich 1907 freiwillig bei den Telegrafistentruppen. 1908 zum Unteroffizier ernannt, nahm er mit diesem Dienstgrad am Tripoliskrieg teil. 1914 wurde er zum Leutnant befördert und während des Ersten Weltrkrieges zum Hauptmann. Er blieb in der Armee und wurde 1932 Oberleutnant. 1936 nahm er am Abessinienkrieg teil, im Laufe dessen er zum Oberst ernannt wurde.
Im Rahmen des Zweiten Weltkrieges kämpfte Paladino auf der Griechisch-Italienischen Front. Bei der Rückkehr wurde er dem Bozener Korps zugeteilt. 1942 zum Brigadengeneral befördert, trat er nach dem Waffenstillstand der Italienischen Sozialrepublik (RSI) bei, für die er das Ispettorato Militare del Lavoro schuf.
1945 trat Paladino in den Ruhestand, 1970 verlieh man ihm den Ehrengrad des Divisionsgenerals.
Francesco Paladino starb 1974.
Fritz Sauckel, geboren 1894, war ein NSDAP-Gauleiter. 1942 wurde er zum Generalbevollmächtigten der Zwangsarbeit in allen deutschen Besetzungsgebieten ernannt. De facto war er also für die Rekrutierung und den Einsatz der Zwangsarbeiter verantwortlich. In Italien versuchte seine Organisation mit spärlichen Erfolg hunderttausende Menschen ins Reich abzuschleppen. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt, das Todesurteil wurde 1946 vollzogen.
Albert Speer, geboren 1905, war ein Architekt, der eine hervorragende persönliche Beziehung zu Hitler hatte. Er war zwar kein glühender Nazi, dennoch war er der Schöpfer der Parteiparaden und genoss dadurch die Achtung und das Vertrauen des Führers. Nach Fritz Todts Tod, wurde er 1942 zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition ernannt, der die Organisation Todt unterstand. Er wurde in Nürnberg vor Gericht gestellt und zu zwanzig Jahre Haft verurteilt. Er ist 1981 in London gestorben.
Fritz Todt war ein deutscher Ingenieur, der in den 30-er Jahren für die Erbauung des von Hitler gewollten Autobahnsystems verantwortlich war. Am Ende der 30-er gründete er die Organisation Todt mit der Zielsetzung, Zwangsarbeitskraft für den Bau der Verteidigungslinien entlang der Grenze mit Frankreich zu liefern. Während des Krieges leitete seine Organisation den Einsatz der Zwangsarbeit in den Besetzungsgebieten. Er starb 1942 in einem Flugunfall.



